LErn-Aufstellungen LEA(C)

Eine Lernaufstellung bietet einer Gruppe von Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Kontexten (heterogene Gruppe) die Möglichkeit, hilfreiche Ideen für eine grundsätzliche Fragestellung zu sammeln. Dabei wählen wir Themen, die bei möglichst vielen Teilnehmer*innen Resonanz wecken: „Ja, das kenn ich auch!“. Es kann um das Erreichen von Zielen gehen, darum, was Ärger uns sagen möchte oder wie wir unheilsame Muster verwandeln.

Wie unterscheiden sich konkrete Aufstellungen für eine*n Klient*in von einer Lernaufstellung?

Fragestellung

Bei einer konkreten Aufstellung wird das Format im Vorgespräch für die Fragestellung der Klientin / des Klienten maßgefertigt. Die spezifische Fragestellung zu einer konkreten Aufstellung wird in einem Vorgespräch geklärt:

Klientin hat Schwierigkeiten mit dem Kollegen A, der sie schon mehrfach in Teamsitzungen brüskiert und bloßgestellt hat. Sie möchte, dass es ihr im Umgang mit dem Kollegen wieder besser geht, vielleicht auch Probehandeln: was tun wenn…

Die Fragestellung in einer Lernaufstellung ist allgemeinerer Natur:

Was ist nützlich im Umgang mit Personen, mit denen die Beziehung für mich durch eine Reihe von Ereignissen schwierig aber nicht zu vermeiden ist?

Wir halten bei der LEA die Frage so allgemein wie möglich, um für die allgemeinen Variablen alltagstaugliche Ideen zu gewinnen.

Erstes Aufstellungsbild

Während in einer konkreten Aufstellung die Klientin / der Klient die Repräsentant*innen für die einzelnen Elemente auswählt und aufstellt, dürfen sich in der Lernaufstellung die Teilnehmer*innen aussuchen, für welches Element sie stehen möchten. Dann wählen die Repräsentant*innen in Gedanken an die Frage einen guten Platz für sich und gehen dann gleichzeitig ins Bild. Aus diesem ersten Bild lässt sich schon viel gewinnen: Plätze, die doppelt besetzt sind weisen auf Kontextüberlagerungen hin, Blickrichtungen auf Zeitlinien oder ausgeblendete Themen.

Die Interventionen

Bei den Umstellungen und Interventionen arbeiten wir wie immer nach der Grammatik der SySt®. Grundsätzlich gibt es in der Lernaufstellung dieselben Interventionen wie in der konkreten Aufstellung. Einen wesentlichen Unterschied gibt es bei den Umstellungen der Elemente. In der Lernaufstellung lassen wir zu, dass sich das System mit der Fragestellung stärker selbst organisiert. Wir gehen Positionierungs-Wünschen einzelner Elemente eher nach, analog zum Stellen des ersten Bildes, wo jedes Element für sich selbst einen Platz wählt.

Eigenresonanzen

Wer als Repräsentant*in in einer  konkreten Aufstellung steht, kann auch Eigenresonanzen erleben. Das heißt, dass durch die Repräsentierende Wahrnehmung ein eigenes Thema anklingt.

Dies kann in Lernaufstellungen noch leichter der Fall sein, weil beim Stellen des ersten Bildes alle Repräsentant*innen dazu aufgefordert werden, sich mit Konzentration auf die Fragestellung einen guten Platz zu suchen. Eine Lernaufstellung formt sich  deshalb nicht so deutlich um den Fokus wie eine konkrete Aufstellung für eine*n Klient*in. Stattdessen finden mehrere Aspekte der Fragestellung Raum. Man gewinnt den Eindruck, dass die gebündelte Aufmerksamkeit zwischen den Elementen wechselt.

Beispiel: Bei einer Lernaufstellung zum Thema „ was ich will, das tu ich nicht – was ich tu, das will ich nicht“, bei der es darum ging herauszufinden, was nützlich wäre, um erwünschtes Verhalten bei sich selbst zu begünstigen (Morgensport statt lang schlafen oder Karotten statt Schokoriegel), hatten mehrere Repräsentant*innen nach der Aufstellung Zweifel, ob sie in ihrer Repräsentation „passend agiert“ haben. Eines der Elemente der Aufstellung hieß „Selbstbild“. Inwieweit verhalte ich mich entsprechend meinem Selbstbild oder dem Bild, das ich von mir haben möchte? Hier ist die Frage für einige Repräsentant*innen über den Rand der Aufstellung geschwappt.

Das lehrt uns zweierlei:

  • So bin ich und so kann ich sein: In der Aufstellung kann es vorkommen, dass wir uns in einer Weise erleben und zeigen, die wir sonst nicht oder kaum kennen. Wir erleben, dass Kontexte bestimmte Verhaltensweisen begünstigen. Wir lernen, dass sich Menschen in verschiedenen Zusammenhängen recht unterschiedlich zeigen können und verzichten so mehr auf feste Zuschreibung von Eigenschaften.
  • Textur, Klang und Farbe der Eigenresonanz: Die Fragestellung einer Lernaufstellung berührt Themen der Teilnehmer*innen. Es kann nützlich sein, sich die Eigenresonanz in Bezug auf die Fragestellung genauer anzusehen. Allmählich lernen wir Eigenresonanzen von repräsentierender Wahrnehmung immer klarer zu unterscheiden.

Rollenreste

Wenn uns eine Aufstellung nachdem wir uns entrollt haben, noch „nachgeht“, sprechen wir von einem Rollenrest. Ein solcher kann eine Eigenresonanz sein oder an das System, für das man gestanden ist, zurückgegeben werden. Dafür nutzen wir die sogenannte Rollenrückgabe-Aufstellung (RRA).

Sie wollen mehr über LEA(C) wissen? Kontaktieren Sie Harald Heinrich.